documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Aya & Gal Middle East
Aya + Gal Middle East
Ausgestellt im Ottoneum:

The Naturalize / Local Observation Point, 1997
Computer, CD-ROM, Videoprojektor, Bodenbelag, Metallschachtel, Bank (Foto: Postkartenserie)
Aya: 1967 Jerusalem,
Gal: 1966 Haifa.
Leben in Jerusalem.
Vor einigen Jahren starteten Aya & Gal, zwei israelische Künstler, die in Jerusalem leben und arbeiten, das Projekt »Neturalization«. Für Aya & Gal findet »Neturalization« nicht in einem Staat statt, ist nicht mit Immigrationsgesetzen verbunden und betrifft nicht die nationale Identität. Ihr Projekt »Neturalization« steht im Widerspruch zum konventionellen Einbürgerungsrecht der modernen Nationen. Die Prozedur, durch die man zum Staatsbürger wird, dient vor allem dazu, Identität und Status eines Individuums sowie eine bestimmte Beziehung zwischen dem Individuum und dem politischen Souverän festzulegen. Für Aya & Gal ist »Neturalization« genau das Gegenteil. Sie ist ein Prozeß, nicht ein Verfahren; sie existiert während der Dauer dieses Prozesses und ohne die Absicht, ein Ziel zu erreichen. (...) Man wird absichtlich zum Fremden in wohlbekannten, gewohnten Situationen, man entzieht sich seiner Identität oder wandert durch zweckentfremdete, vorgefundene Umgebungen, an die man sich allmählich anpaßt. »Neturalization« dekonstruiert oder, besser gesagt, löst die Einheit und scheinbare Kohärenz auf, die dadurch entstehen, daß einer heterogenen Realität ein dominierender Blickpunkt - der des nationalen Subjekts - auferlegt wird. Dieser von Aya & Gal vollzogene Prozeß stellt sich zwischen die verschiedenen Macht- und Wissensregimes, teilweise außerhalb von deren Kontrolle und legt die dreisten Nähte bloß, mit denen das dominierende Regime eine heterogene Realität zusammenzuhalten versucht. Das Projekt von Aya & Gal (...) ist keineswegs ein praktischer Vorschlag oder ein politisch bewußter Versuch, sich mit dem Problem der Einbürgerung im allgemeinen oder mit dem bügerlich-rechtlichen Status der Palästinenser in Jerusalem im besonderen auseinanderzusetzen. Trotzdem kann es leicht dazu und zur spezifischen Situation Jerusalems in Beziehung gesetzt werden und wäre eine mögliche Antwort auf die Frage, was zum Teufel nochmal in dieser Stadt zu dieser Zeit getan werden kann.

Aus Stories of hands (I): Becoming »Neturalized« in Jerusalem von Ariella Azoulay
(Übersetzung: Pat Binder)
The Naturlize/0.8,
Website des Künstlerduos, mit ihrer Biografie und dem Text von Paul Sztulman aus dem documenta X - Kurzführer
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