documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Catherine David im Gespräch mit den
ART-Redakteuren Roberta Fleck und Axel Hecht

Kurzer Auszug. ART, Nr. 4/1997, S. 41
ART:   Als Sie zur Leiterin der documenta X berufen wurden, geschah das auch in der Erwartung eines multikulturellen Konzepts. Lösen Sie diese Erwartung ein?

David:   Das war auch so ein Mißverständnis. Es ist in der Kunstwelt Mode geworden, Künstler aus Afrika und Asien einzuladen. Das ist zumeist eine Alibi-Geste, im besten Fall Konformismus, bisweilen auch einfach Kolonialismus. Für solchen Exotismus bin ich nicht zu haben. Die ungleichmäßige Entwicklung der Moderne in den verschiedenen Teilen der Welt äußert sich in sehr unterschiedlichen Traditionen. Deshalb auch »100 Gäste«. Es gibt Länder, in denen die zeitgenössische bildende Kunst keine wesentliche Rolle spielt, während starke Werke der Literatur und der Musik entstehen. Nur: Wie stellt man das aus? Deshalb ist es notwendig, Schriftsteller, Filmemacher und Musiker aus Afrika in die documenta zu holen. Andere Länder, Brasilien etwa, haben dagegen ihren legitimen Platz in der bildenden Kunst der Avantgarde. Die abstrakte Kunst von Hélio Oiticica ist uns unmittelbar zugänglich. Es wäre also völlig verfehlt, von »Dritte-Welt-Kunst« zu sprechen.
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