documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Tunga
Künstler aus Brasilien, Teilnehmer der documenta X.
... Eine Ausstellung wie die documenta müßte respektvoller auch mit den Leuten umgehen, die keine Spezialisten, keine Initiierten sind. Ich bin überzeugt, daß eine Dichte auch durch Kommunikation erreicht werden kann. ...

... diese historischen Ausstellungen sind unglücklicherweise in einer deutschen musealen Struktur erstarrt, die es z. B. nicht erlaubt, daß die Leute die Werke von Lygia Clark oder von Hélio Oiticica anfassen, was aber zu deren Eigenart gehört. Trotzdem weist sie (C. David) darauf hin, daß sich das Paradigma der zeitgenössischen Kunst nicht mehr aus einer Kritik der Moderne ergibt, wie es der Postmodernismus vorgab. Es ist eher eine positive, neue Lesart des Potentials des Moderne, andere und neue Möglichkeiten entstehen zu lassen, was heute ja geschieht. Die Ausstellung mag auf visueller Ebene nicht so stark sein, aber sie zeichnet einen sehr klaren und deutlichen intellektuellen Weg. Wenn sich die documenta mit Lygia Clark, Oiticica, Matta Clark, Baumgarten und anderen auseinandersetzt, markiert sie eine Haltung zum Programm der Moderne, um es perspektivisch zu analysieren und nicht, um es zu kritisieren oder um mit den technologischen Möglichkeiten der Computer die Stile zu vermischen. Sie überdenkt die Diskontinuität der Welt im Kontext einer neuen Realität, die nicht mehr nur Europa und Nordamerika ist. Sie ist etwas viel umfangreicheres, womit ich aber auch nicht die Globalisierung meine. Das ist das, was mir bei dem wenigen, das ich bisher von der documenta sehen konnte, positiv erscheint und das auch meinen eigenen Überzeugungen entspricht.

Aus einem Interview für Universes in Universe am 27. Juni 1997.
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